* 21. Mai 1978 † 28. Juni 2004

M utig
I ntelligent
C haotisch
H umorvoll
A benteuerlich
E inzigartig
L ebensfroh

U nvergessen
L achend
L eben ohne Dich
I dealistisch

 

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines,
das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses Blatt allein,
war Teil von unserem Leben,
darum wird dieses eine Blatt allein
uns immer wieder fehlen.

Michi, wir vermissen dich so sehr.
Du bist viel zu früh gegangen.

Die Sonne sank, bevor es Abend wurde.

Deine Mama

 

Michael Ulli

 
Nie werde ich den Nachmittag des 29. Juni 2004 vergessen, an dem ich telefonisch von der Lebensgefährtin meines Exmannes erfuhr, dass am Tag zuvor mein Sohn Michael in seiner Wohnung gestorben war. Er lebte in Stuttgart und war vor knapp fünf Wochen gerade 26 Jahre alt geworden. Eine Mitbewohnerin hat ihn tot in seinem Bett gefunden. Bei der Obduktion konnte keine genaue Todesursache festgestellt werden, nur, dass sein Herz zu groß war. Man ging deshalb von plötzlichem Herzversagen aus. Auch durch weitere Untersuchungen konnte keine genauere Diagnose erstellt werden.

Michael war ein lebenslustiger, sportlicher junger Mann, der außer Erkältungen und eine dadurch ausgelöste Bronchitis nie irgendwelche Beschwerden hatte. Aber welcher junge Mensch hat das nicht? Ich habe mir nie etwas Schlimmes dabei gedacht.



Er war Kfor-Soldat im Kosovo und außer einer Hitzeallergie hatte er auch dort keinerlei Beschwerden, die auf eine Herzkrankheit hätten schließen lassen.

Die nächsten Tage habe ich wie in Trance verlebt. Ich bin nach Stuttgart zusammen mit meinem Mann und meinen beiden jüngeren Kindern zu meiner dort lebenden älteren Tochter und ihrer Familie gefahren. Wir haben die Beerdigung vorbereitet, einen Sarg und eine Urne ausgesucht, weil mein Sohn eingeäschert werden wollte. Zusammen mit meiner älteren Tochter haben wir die Kleider ausgesucht, die Michi tragen sollte. Ich habe einen Kampf ausfechten müssen, weil die Pathologie des Robert-Bosch-Krankenhauses der Meinung war, dass der Sarg meines Sohnes geschlossen bleiben sollte, „weil er sich doch schon sehr verändert hätte“. Ich sollte dazu überredet werden, vor einem geschlossenen Sarg Abschied von meinem Sohn zu nehmen, den ich seit vier Monaten nicht mehr gesehen hatte. Ich habe mich geweigert und eine würdige Aufbewahrung verlangt. Im Nachhinein bin ich sehr froh über meine Starrsinnigkeit. Mein Kind hatte sich natürlich in der Woche seines Todes verändert, aber nicht so, dass ich ihn nicht mehr hätte ansehen können. Ich konnte ihn noch einmal streicheln, ihn anschauen, einfach bei ihm sein. Zum Glück hatte ich ein Beerdigungsinstitut gefunden, dass dies alles sehr einfühlsam in die Wege geleitet hat. Wie ich später erfahren habe, ist dies keine Selbstverständlichkeit.

Ich habe die Freundin meines Sohnes getröstet, ihr dabei geholfen, ihn noch einmal zu streicheln, ihn anzufassen. Auch mein jüngerer Sohn und meine Töchter fühlten sich durch meine vermeintliche „Stärke“ dazu in der Lage, sich von ihrem Bruder zu verabschieden.

Es kam der Tag der Trauerfeier. Vorher mussten wir uns überlegen, wie diese ablaufen sollte. Michi war getauft und konfirmiert, gehörte aber keiner Kirchengemeinde an. Ich konnte mir keine christliche Beerdigung für ihn vorstellen. Aber eine Beerdigung ohne Pfarrer? Mit einem freien Redner? Das konnte ich mir ebenso wenig vorstellen. Durch das Beerdigungsinstitut wurde mir dann doch ein freier Redner vermittelt. Mit sehr gemischten Gefühlen habe ich einen Termin mit ihm vereinbart. Habe ich doch in den neuen Bundesländern schon manche Beerdigung mit einem „Redner“ mitgemacht und sie alles andere als schön empfunden. Wenn man überhaupt von „schön“ bei einer solchen Angelegenheit reden kann. Im Familienkreis haben wir dann zusammen mit dem Redner überlegt, wie die Trauerfeier ablaufen soll. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Trauerfeier von Michi sehr feierlich war. Es wurde Orgel und Cello gespielt, keine Musik aus der „Konserve“. Auch die Rede, die mit Hilfe meiner älteren Tochter entstand und wofür ich ihr von ganzem Herzen danke, war sehr berührend und hat genau die wichtigsten Lebenspunkte Michis wiedergegeben. Ich war erleichtert, mich dafür entschieden zu haben. Viele Monate später habe ich im Internet zufällig ein Portrait über den Redner gefunden, er hat Theologie studiert und war sehr lange Jahre als Priester tätig.

So viele Menschen habe ich noch nie auf einmal gesehen. Fast befürchtete ich, die Plätze in der Kapelle würden nicht ausreichen. Auch an diesem Tag habe ich getröstet, geholfen, geredet, war für alle da. Ich kann mich überhaupt nicht mehr an Einzelheiten erinnern. Es wurde mir dann später erzählt, wie gefasst und ruhig ich dagesessen und für alles gesorgt hätte.

Zwei Wochen später war die Urnenbeisetzung von Michi. Vor dieser hatte ich große Angst. Meine Eltern wurden auch eingeäschert und die Urnenbeisetzung war einfach traurig und trostlos. Dann habe ich von Herrn Bayer - dem Redner bei der Trauerfreier - erfahren, dass er selbstverständlich auch bei der Urnenbeisetzung dabei sein würde, wenn dies mein Wunsch wäre. Ja, es war mein Wunsch und so ging auch diese Beisetzung in feierlicher Würde vor sich. Eine Begebenheit hat sich ganz tief in mein Gedächtnis eingegraben, nämlich die, wie mein jüngerer Sohn Jens die Urne mit der Asche seines Bruders zum Grab trug.
 
Viele Monate sind inzwischen vergangen, viele Monate ohne ihn, ohne seine Anrufe, sein Lachen, seine Späße. Aber auch viele Monate, in denen ich mich in meiner Fassungslosigkeit, meiner Trauer allein und unverstanden gefühlt habe. Wenn mich jemand gefragt hat, wie es mir geht und ich die Antwort gab: "Nicht so besonders" kam die Frage: "Wieso, was ist denn passiert" Nach einer Weile dann: "Ach so ja, Michi ...". Aber du musst endlich loslassen, akzeptieren, es war ein Schicksalsschlal ..." usw.
 
Wie kann ich mein Kind loslassen? Wie kann ich akzeptieren, dass er von jetzt auf nachher plötzlich nicht mehr da ist? Wie kann ich Versäumtes nachholen? Wie kann ich damit leben, dass ich ihn immer habe machen lassen, was er wollte? Ihn im Februar 2004 zuletzt gesehen habe, weil er nie Zeit hatte? Und ich immer dachte, lass ihn, das nächste Mal wird es schon klappen. Leider gab es kein nächstes Mal mehr.

Wie kann ich damit fertig werden, dass mein Kind fast eine Woche in einer Schublade der Pathologie lag, ganz alleine, weil ich 500 km weit entfernt wohnte und sein in der Nähe wohnender leiblicher Vater nicht in der Lage war, seinen Sohn würdig aufbahren zu lassen?

Lauter Fragen, auf die ich wohl nie eine Antwort bekommen werde.

Soll ich mir den Spruch auf seiner Traueranzeige zu Herzen nehmen, den Michis große Schwester für ihren Bruder ausgesucht hat und glauben, was da stand?

Der Tod hat keine Bedeutung -
ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe wer ich bin.
Und auch ihr bleibt dieselben.

Was wir einander bedeuten bleibt bestehen.
Nennt mich mit meinem vertrauten Namen,
sprecht in der gewohnten Weise mit mir
und ändert euren Tonfall nicht!
Hüllt euch nicht in Mäntel aus Schweigen
und Kummer -
Lacht wie immer über die kleinen Scherze,
die wir teilten.
Wenn ihr von mir sprecht,
so tut es ohne jede Reue und Traurigkeit.
Leben bedeutet immer Leben - es bleibt
bestehen immer - ohne Unterbrechung.

Ihr seht mich nicht,
aber in Gedanken bin ich bei euch.
Ich warte eine Zeitlang auf euch -
irgendwo, ganz in der Nähe -
nur ein paar Straßen weiter.

(Henry Scott Holland)



am 28. Juni 2004, weil du gingst,
ohne dass wir uns voneinander verabschieden konnten.
Du hinterlässt eine große Lücke und eine unendliche Leere,
die niemand füllen kann.
Oft stehe ich an deinem Grab und kann nicht fassen,
dass du darin liegst.
Der Schmerz, die Trauer, die Sehnsucht nach dir,
niemand kann sie mir nehmen.
Niemand kann mir helfen,
niemand wird dich jemals ersetzen.
Irgendwann werde ich begreifen,
dass du niemals wiederkommst,
aber in meinem Herzen wirst du bleiben,
für immer!

(Verfasser unbekannt)
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